Folter

Wenn man bei Star Trek an Cardassianer denkt, fallen einem unwillkürlich die Begriffe Bajor, Besetzung, Härte, Folter ein. Tatsächlich gehört das letztere zum täglichen Leben der Cardassianer.  

Die Cardassianer sind sogar so weit gegangen, dass sie die Folter zur Kunst gemacht haben. Sie meinen, dass man mit der richtigen Methode jeden brechen kann, jedem die Persönlichkeit nehmen kann. Die Folterer wollen den Realitätssinn des Opfers brechen und ihn dazu bringen falsche Wahrheiten anzuerkennen, obwohl der Gefangene der richtige Wahrheit kennt. Meistens stellt man fest was das Opfer mag und nicht mag, und verwendet dann dieses gegen das Opfer. Ein überzeugter  Vegetarier bekommt unter der Folter meistens Fleisch zu essen ( wenn er halb verhungert ist), Oder jemand, der Angst vor Spinnen hat, werden Spinnen auf die Haut gesetzt. Mit anderen Worten: Die Gefolterten müssen Demütigungen und Erniedrigungen über sich ergehen lassen.

Hinter der Folter selbst steckt nicht nur Informationsbeschaffung, sondern die Folter ist unweigerlich mit der Vorstellung von Gerechtigkeit und Bestrafung verbunden. Um dies nachvollziehen zu können, muss man die Vorstellung der Cardassianer von Gerechtigkeit kennen. Ein Angeklagter ist schuldig bis die Unschuld- die eigentlich nie bewiesen werden soll- bewiesen ist. Eigentlich dient dann die Folter im Verfahren nicht dazu herauszufinden, ob der Angeklagte die Wahrheit sagt, sondern es soll nur die Sinnlosigkeit eines Verhalten zeigen, dass sich gegen die Ordnung richtet.

Diese Philosophie wird auch als Rechtfertigung für die Folter genutzt. Da jeder Inhaftierte ja schuldig ist, ist es nur gerecht ihn zu foltern und ihn zu bestrafen. Diese Vorstellung von der Folter wird selbst den kleinen Kindern beigebracht. Man lädt sie zu Folterungen ein. Durch das Zusehen bei körperlicher und seelischer Folter sollen sie erzogen werden und soll als eine soziale Lektion dienen.

Staatsfeinde dürfen nicht damit rechnen von der " Seldonis IV" ( Schutz Gefangener vor Folter) Konferenz geschützt zu werden. Obwohl die Cardassianer dem Seldonis IV Vertrag zugestimmt haben, foltern sie auch die Staatsfeinde.

Drogen

Vor allem Drogen zeigen deutlich die Sinnlosigkeit der Folter. Die Gefangenen sagen unter dem Einfluss der Wahrheitsdrogen meistens alles was der Folterer wissen will. Folter wäre da schon unnötig. Wenn die Opfer ablehnen, das alles " zivilisiert" ablaufen soll - der Preis hiefür ist Kooperation -, dann beginnt der Folterer mit Phase 1 der Folter, da es ja der freie Wille des Gefangenen war. Er hat sich freiwillig entschieden nicht zu kooperieren, also war es seine freiwillige Entscheidung gefoltert zu werden, Als Vorbereitung  zur Phase 1 der Folter wird dem Gefangenen, während er unter Drogen steht, ein Gerät implantiert, das Schmer verursacht. Aber mehr dazu später.

Besonders an der TNG Folge " Chain of Command - Part II" ( Geheimmission auf Celtris III, TNG) kann man wunderbar den Verlauf und die Art der Weise der Folter aufzeigen. Ich werde diese Episode mal als Beispiel verwenden.

Picard hat unter dem Einfluss der Drogen die Namen seiner Teammitglieder und sogar die geheime Mission preisgegeben. Nach einem freundlichen - das ist nicht ironisch gemeint !-  Gespräch zwischen Gul Madred und Picard bietet Madred Picard an, das er " zivilisiert" behandelt werden könnte. Der Preis natürlich: Kooperation. Aber Picard verweigert die Kooperation und Madred beginnt mit der ersten Phase der Folter...

 

Die Folter besteht aus  Phasen, die nötig sind, um dem Opfer den Realitätssinn zu nehmen:

1. Entkleiden und an der Decke aufhängen

2. Schmerz durch ein Implantat 

3. Das Opfer " freiwillig" entscheiden lassen

4. Ekel hervorrufen

 

1. Entkleiden

Nach dem Beginn der Folter wird den Opfern natürlich Essen und Trinken verweigert. Kurz nachdem Picard die weitere Kooperation verweigert, kommen Wachen in dem Raum und halten Picard fest. Picard, der sich wehrt, versucht sich mit Hilfe der "Seldonis IV" zu retten, aber Madred interessiert diese Konferenz eigentlich gar nicht. Er zerschneidet Picard mit einem Messer die Kleidung und sagt ihm, dass Picard für ihn nur noch ein Mensch ist und spricht ihm seinen Persönlichkeit ab.

Schließlich lässt er Picard an einer Vorrichtung an der Decke aufhängen. Der hilflose Captain hängt nun nackt und an den Händen gefesselt an in der Mitte des Raumes. Picard ist jemand, dem Würde viel bedeutet und dadurch, dass man ihn so würdelos behandelt, schämt er sich, was ihn sehr quält. Picard darf die ganze Nacht von der Decke hängend verbringen, Madred und seine Gehilfen verlassen den Raum und lassen Picard in dem beschämenden Zustand zurück.

Der nächste Morgen kommt.

 

2. Schmerzen durch ein Implantat

Die Folter der Cardassianer besteht nicht nur aus psychologischem Druck. Den Opfern wird auch durch ein Implantat Schmerz zugefügt. Es wird durch eine Fernbedienung, auf der man auch die Intensität einstellen kann, aktiviert. Selbst der Schmerz der niedrigen Stufe ist höchst schmerzhaft und intensiv, man kann sich vorstellen wie gross die Schmerzen sind, wenn der Folterer die Intensitöt der Schmerzen sehr hoch einstellt. 

Picard wurde es in die Brust implantiert.  Nun kommen die vier Lichter ins Spiel. Dies ist nur ein Beispiel für die Brechung des Realitätssinn, ich denke nicht, dass alle cardassianischen Folterer vier Lichter benutzten um die Opfer zu brechen.

Die 4 Lichter sind eine Anlehnung an das Buch " 1984" von George Orwell, indem auch jemand gefoltert wird, und statt 4 Lichtern, was die Realität ist, 5 Lichter sehen soll. Das selbst wird Picard angetan.

Gul Madred schaltet vier Lichter an und will das Picard 5 Lichter sieht. Als der Captain sagt - was die Realität ist-  dass es sich bei den Lichtern um 4 handelt, wird ihm durch das Implantat Schmerz zugefügt. Damit will Madred den Realitätssinn Picard's verdrehen, was ihm nachher gelingt, ohne dass er selbst es erfährt. Picard muss die nächste Nacht auf dem Boden liegend verbringen, was auch nicht gerade sehr würdevoll ist. 

Während der Folter lässt Madred seine kleine Tochter bringen, die Picard in einem würdelosen Zustand sieht. Die Tochter fragt ihn, ob Menschen Kinder haben. Madred erklärt ihr das Bild vom Staatsfeind, indem er ihr erzählt, dass Menschen zwar Kinder haben, die aber nicht so gut behandeln, wie Cardassianer es mit ihren Kindern tun. Indem seine Tochter Picard gefoltert sieht will Madred das Schamgefühl Picard's brechen, da es peinlich ist, das man ihn so sieht. Ich denke mal, es ist ganz unabhängig davon, ob man nun Kinder selbst mag oder nicht, kein Gefolterter will anderen in schamverletzenderweise vorgeführt werden..

 

3. Das Opfer " freiwillig" entscheiden lassen

Madred sagt Picard, dass er ihn gehen lässt, aber stattdessen wird er eine Gefangene verhören... Beverly Crusher. Picard will auf keinem Fall, dass auch Beverly das ertragen muss, was er ertragen musste. Daher begibt er sich zu Madred, der ihn fragt:" Du entscheidest dich dazu, bei mir zu bleiben?" Picard nickt nur. Damit ist für Madred die Folter endgültig legalisiert, Picard hat sich dazu entschieden bei ihm zu bleiben. Der nächste Tag und die nächste Phase der Folter bricht herein.

Die Cardassianer drohen oft damit die nahen Verwandten eines Opfers zu holen und  zu foltern.

 

4. Ekel hervorrufen

Picard, der inzwischen vollkommen ausgehungert ist, wacht auf und sieht, dass Madred vor ihm einen Frühstückstisch mit gekochtem Taspa- Ei, einem Getränk und anderem Essen aufgebaut hat. Picard isst sofort gierig und öffnet das Ei. Madred, der bereits schon mit dem Frühstück angefangen hat, lächelt Picard an, als dieser sein Ei aufbricht. Es stellt sich heraus, dass das Ei ein rohes Taspa Ei ist. Selbst für Cardassianer sind rohe Taspa Eier ungeniessbar. Picard schlürft das Ei gierig herunter, da er viel Hunger hat, aber selbst kann man sich vorstellen, wie Picard sich geekelt haben muss.

Schliesslich erfährt Madred, dass man Picard freilässt ( die Enterprise Crew unter dem neuen Captain hat viel Druck ausgeübt). Er sagt ihm, dass man ihn nun in ein Leben voller weiterer Folter führen wird und dass er ihm die Möglichkeit bietet in relativem Luxus zu leben. Dazu muss er nur zugeben, dass er vier statt fünf Lichtern sieht. Picard überlegt, ein Zeichen dafür, dass er bald gebrochen ist. Bevor er antworten kann, kommen die Wachen und es wird Picard mitgeteilt, dass er nun frei ist. Kurz bevor Picard geht, schreit er Madred an, dass er vier Lichter sieht. Später, in einem Gespräch mit Troi sagt er, dass er am Ende der Folter Tatsächlich 5 statt 4 Lichter gesehen hat. Die Cardassianer haben es also geschafft Picard zu brechen ( aus meiner persönlichen Sicht), es blieb diesem nur erspart dies vor Madred zugeben zu müssen.

Patrick Stewart, der eine schauspielerische Glanzleistung in der Episode geleistet hat, hat sich mit Video von Amnesty Internation auf seine Rolle als Gefolterter vorbereitet. Während des Drehs der Folterszenen wurde das Studio geschlossen und nur die, die unbedingt nötig wurden, durften das Studio betreten und dort bei den Folterszenen anwesend sein.

Die oben beschrieben Grausamkeiten werden leider schon in der Gegenwart praktiziert.

Dabei sind die Täter ganz normale Menschen. Besonders in den afrikanischen Staaten, einigen fernöstlichen und weiteren Staaten  ist Folter, Demütigung und Misshandlung an der Tagesordnung. Man zwingt Gefangene widerliches Sachen, wie z.B. Brot, das in Urin getaucht wurde, zu essen und man zwingt sie auf Namen " Stück Dreck" u.s.w. zu hören. Viele Punkte der cardassianischen Folter ähneln der heutigen Folter.

Das sich Staaten herausnehmen die Menschenrechte anderer zu missachten, sollte man nicht tolerieren, besonders die Politiker sollten sich mehr um diese Missstände kümmern.

Auf der Homepage von Amnesty International findet man viele Informationen zu dem Thema und man kann Amnesty International unterstützen: http://www.amnesty.de/

 

weiter Bilder aus der Episode " Geheimmission auf Celtris III" ( Chain of Command)

              

        Gul Madred ( links) zerschneidet Picard mit einem Messer die Kleidung 

Picard bekommt endlich etwas zu essen ( dies ist nicht das Taspar- Ei, das hat er vorher gegessen)

Gul Madred stellt Picard vor die Wahl, ob er nun 5 Lichter sieht oder für ewig weitergefoltert werden will.

Picard wird mitgeteilt, dass man ihn jetzt zur Enterprise zurückbringt.